Erste Tendenzen

Los geht es mit den wöchentlichen Berichten vom Stand der Lese. Zu lesen wie immer hier und drüben beim Würtz aufm Blog -> http://wuertz-wein.de/

Dieses Jahr gibt es zur Abwechslung keine unkonkreten Äußerungen nach der ersten Reifemessung, denn „es kann ja noch soooo viel passieren“. Alles Quatsch. Wir spekulieren einfach mal lustig ins Blaue.

Nach der ersten Tour durch die Weinberge kann man für unseren Betrieb sagen, alles sieht noch gut aus, bis auf einen Weinberg, der hat aber auch einen Nachteil – er ist halt kein Riesling… Der Müller-Thurgau im Moselvorgelände (aka Flachlage mit den Wurzeln ganzjährig in der Mosel) hat als einziger jetzt schon nennenswerte Fäulnis, die Wohl durch die letzten beiden Niederschläge verursacht wurde. Durch das optimale Wetter der letzten Tage ist diese aber sauber eingetrocknet und hat keinen Pilzbelag angesetzt. Alles entspannt, kommt nächstes Wochenende weg, die paar schlechten Trauben auf den Boden und der Rest wird Traubensaft. Das muss reichen für dieses Jahr zum Müller-Thurgau.

Kommen wir zum Wichtigsten – dem Riesling. Hier gibt es auch dieses Jahr große Unterschiede. Diese wurden durch Wassermangel verursacht. Riesling hat ja an und für sich schon kleine Beeren, aber einige Weinberge haben dieses Jahr so kleine Beeren, da braucht man ja fast eine Lupe (Achtung Übertreibung).

Dies führt uns aber direkt zu Spekulation Nr. 1: In den Toplagen, die meist auch die Trockeneren sind, wird es dieses Jahr keine großen Mengen geben. Das Verhältnis von Schale zu Fruchtfleisch ist einfach zu hoch.

Direkt weiter zu These Nr. 2: Damit sollte Botrytis auch nicht zu so einem großen Thema werden, da die kleinen Trauben auch sehr locker hängen. Immer vorausgesetzt wir bekommen nicht wieder so ein Kackwetter wie letztes Jahr.

Kombiniert man Spekulation 1+2 zu 3: So könnte so mancher dazu verleitet werden, lange Maischestandzeiten zu planen, daraus sollten dann Weine mit viel Grip am Gaumen und einer gewissen Bitterkeit entstehen. Voraussetzt natürlich die Säure spielt mit, die ist bei den frühen Sorten schon sehr niedrig für Entwicklungszeitpunkt, beim Riesling aber noch voll im Soll bei ca. 16-17g/l.

These 4: Wasserreiche Standorte/Böden könnten im Gegensatz dazu Probleme bekommen. Hier sind genau wie bei Junganlagen schon ein paar wenige geplatzte Beeren zu sehen. Alles unproblematisch und unter 1%. Sollten die gemeldeten Niederschläge über 20l/m² in den nächsten Tagen kommen, könnte sich die Situation rapide verschärfen.

These 5: Die Menge wird so mittel – beruht auf den Thesen 1-4.

Was keine These mehr, sondern vielmehr schon Fakt und Konsens unter den Winzern ist: Es wird ein frühes Jahr. Die meisten Winzer an der Mosel rechnen mit dem Lesebegin Anfang Oktober. Also noch früher als in 2014. Die aktuellen Zuckerwerte von 65-70°Oe in Nebenlagen und ca. 75°Oe in Steillagen sprechen dafür. Zudem sind die meisten Kerne schon wenigstens hellbraun verfärbt, d.h. die physiologische Reife sollte in 2-3 Wochen erreicht sein.

Dann noch eine letzte Spekulation 6: Man sollte dieses Jahr aufpassen, dass man den Riesling nicht zu lange hängen lässt und folglich überreife Trauben bekommt. Man kann sich ja untereinander mit erfundenen Oechslerekorden bei 100% gesunden Trauben aufgeilen, aber will wirklich jemand einen Riesling trinken, der mit 103°Oe gesund gelesen und trocken vergoren wurde!? Hatte ich gestern Abend aus 2012 – brauch ich nicht nochmal. Schmeckt, alt, alkoholisch und hat keinerlei Trinkfluss.

Zuletzt so ist es Brauch und Sitte, bitte ich ab sofort alle Regentänze einzustellen.

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